Das kultige und erfolgreiche CometMatti Tagebuch! Vol. 19



"Sie wollen mich doch verarschen, Sie gieriger Halsabschneider?!"
(September 2006)



 Dieser Vorfall, von dem ich Euch nun auch in Anwesenheit meiner eigenen geistigen Kräfte, erzählen werde, ist schon etwas länger her.
 Irgendwie hatte ich es bis jetzt nicht geschafft, diese Geschichte auch in meinem Tagebuch zu erzählen. Aber gut, solche und ähnliche Vorfälle
 sind ja ohnehin zeitlos und lassen sich zu jederzeit aufschreiben und veröffentlichen! Also es begann alles vor 41 Jahren...nein, halt STOP, dass
 ist ja meine "Ich wurde 1965 unfreiwillig geboren und durfte auch nicht wieder in Mamis Bauch zurück kriechen"-Geschichte. Die erzähle ich
 Euch dann mal ein anderes MAL!;) Nein, nun aber weiter im Text und zu meiner eigentlichen Geschichte:
Es war an einem Mittwoch, vor etwa vier
 Monaten. Die Comet-Ladenuhr tickte gerade gelangweilt und nur mir viel Kraftanstrengung 13.12 Uhr! Ich tickte zwar nicht, war aber zu diesem
 Zeitpunkt auch gerade extrem gelangweilt. Keine Kunden waren gerade im Laden anwesend und so bohrte ich bzw. meine Finger, in einigen meiner
 zahlreichen Körperöffnungen, neugierig herum. Mal dort mal, woanders! Nicht um so eventuell mal etwas nützliches, ja sogar essbares
 vorzufinden, nein eher so aus purer LANGEWEILE. Plötzlich und erwartet betrat dann ein Kunde, etwa 60-65 Jahre alt, meinen Laden.
 Er wirkte optisch noch sehr rüstig und überhaupt nicht rustikal!



 Ich zog schnell meinen rechten Daumen aus meinem linken Ohr und stellte mich und meinen Körper, hinter meinen Verkaufstresen, zu einer artigen
 Position auf! "Kann ich etwas für Sie tun?", fragte ich freundlich. Er reagierte dann mit folgendem Satz:  "Ja, ich hätte da einiges zu verkaufen
 und wollte Sie mal fragen, ob sie mir alles abkaufen wollen?"  Ich antwortete: "Grundsätzlich kaufe ich schon Ware von meinen Kunden ab, es
 kommt aber natürlich darauf an, was Sie mir da verkaufen wollen!"
Während ich mich auf meinen rechten Daumen stellte, damit dieser nicht
 wieder in irgendeine eigene Körperöffnung kriechen wollte, schaute mich der älterer Herr immer noch fragend an! Das ging dann so ein paar
 Minuten! Jedenfalls wollte mir dieser ältere Herr einfach nicht sagen, was er mir denn verkaufen wollte. "Kaufen Sie nun grundsätzlich
 gebrauchte Sachen an, oder nicht?", fragte er schon etwas persönlich gereizt! "Kommt natürlich auf die Ware an! Ja, was haben Sie denn feines
 anzubieten? Zeigen Sie mir doch mal alles, bitte!", flehte ich schon fast herum! Er verließ dann schweigend meinen Laden und ließ mich etwas
 irritiert mit mir alleine. Sollte ich nun hinterherrennen und mich an sein rechtes Bein hängen und immer wieder rufen: "Sagen Sie mir doch bitte,
 was ich ankaufen soll. Bittäää!"...? Oder sollte ich meinen Therapeuten;), der gerade selbst in Behandlung ist, weil er es einfach nicht
 verkraftet, dass viele seiner Patienten ihn ständig um Hilfe bitten, anrufen? Dürfen die in einer Gummizelle überhaupt Handys mitnehmen?



 Ich könnte ja auch meinen eigenen Fingern wieder grünes Licht geben und mich bohren, kraulen, stechen und streicheln lassen!? Noch ehe ich
 aber eine Entscheidung treffen konnte, betrat dieser geheimnisvolle Herr wieder meinen Laden. Innerhalb von zwei Minuten standen vier Kisten vor
 meinen Verkauftresen! In diesen Kisten befanden sich, soweit ich das sehen konnte, Atari 2600 und original Amiga-Spiele. In einer Kiste konnte
 ich Stofftiere und Plastikspielzeug erkennen. Eine Kiste konnte ich nicht einsehen, weil über dessen Inhalt ein harmloses Handtuch gelegt wurde!
 "So", sagte er im strengen Ton zu mir, "nun können Sie mir nicht mehr ausweichen! Jetzt müssen Sie schon sagen, ob Sie mir etwas abkaufe
 wollen, oder nicht!" Irgendwie wurde mir das alles schon etwas zu blöd! Schließlich wollte er mir ja die ganze Zeit nicht verraten, was er an mich
 verkaufen wollte! Aber gut, Matti blieb friedlich. Gut, dass ich eine Stunde vorher 123 Baldrian-Zäpfchen geschluckt hatte!
Er stellte mir nun
 drei seiner vier Kisten auf meinen Verkaufstresen. Zwei mit Atari 2600 & Amiga Spielen voll gepackt und die mit den Stofftieren!
 "Also Stofftiere kaufe ich schon mal überhaupt nicht an!", sagte ich selbstsicher. Er nahm dann die Kiste, sichtlich verärgert, wieder vom Tresen
 und stellte mir dann die Kiste mit dem Handtuch vor die Nase. "Also, kommen wir nun ins Geschäft, oder nicht?", fragte er mich genervt.
 Währenddessen schaute er auch noch völlig gestresst auf seine Armbanduhr! So, als wäre ich hier die grosse Ankaufsbremse! Ich begann ein paar
 Dinge aus den Kisten auszupacken. Auch in die Kiste mit dem Handtuch wollte ich schauen. "Nein, so geht das nicht!", schimpfte er, "erst einmal
 will ich ein Angebot von Ihnen hören!" So langsam begriffen auch meine sensiblen inneren Organe, dass sie in diesem Moment ernsthaft von einem
 Matti eigenen Herzinfarkt bedroht wurden! Wir alle wußten in diesem Moment, wie wichtig nun mein Herz war und dessen Kondition.


 Wird es standhalten oder aus meiner Brust ausbrechen und dem Typen mir gegenüber, dessen Nase verstopfen? Welches Herz bedenkt schon in
 solchen Momenten, dass dessen Besitzer...in diesem Fall also ich... ohne dieses Organ nicht weiterhin hinterm Verkaufstresen stehen kann!?

 Während es in mir also leichte Krawalle und Diskussionen mit meinem stark pochendem Herz gab, konzentrierte ich mich wieder auf meinen
 Überlebenswillen. Ich schaute mir seine Atari 2600 und Amiga-Spiele an. Eigentlich kaufe ich solche Spiele nicht mehr an, da keine Nachfrage
 mehr nach diesen Produkten besteht. Jedenfalls bei mir nicht! Ich kenne aber einen Kumpel, der hätte diese beiden Kisten schon genommen um
 dann dessen Inhalt über "ebay" zu verkaufen. Also dachte ich mir, könnte ich für ihn  ja dieses Deal unter Dach und Fach bringen. Ich fragte
 denn den Kunden, was er denn für den Inhalt seiner zwei Kisten haben wollte. "Sagen Sie es mir doch. Wenn Sie beide Kisten nehmen, bekommen
 Sie die dritte Kiste mit dem Handtuch darüber, wesentlich günstiger!" Ich rief dann meinen Kumpel an und fragte ihn, was er für die ganzen
 Atari 2600 und Amiga-Spiele so ausgeben würde. Er sagte: "Hm, da ist aber sehr viel Müll dabei...ich würde ihn für alles 20 Euro geben!"
 Ich sprach dann den Kunden an, der vor mir stand und mit seinen Fingern auf meinem Tresen scheinbar ein unsichtbares Klavier spielte.
 "Wie bitte? Zwanzig Euro? Sie wollen mich doch verharschen, Sie gieriger Halsabschneider!" So, nun kam der kritische Moment, wo ich erstens
 den Telefonhörer zur Seite legte und somit auch meine Gesprächsbereitschaft mit meinen Kumpel am anderem Ende der Leitung! Zweitens packte
 ich alle Atari 2600 & Amiga-Spiele wieder in die zwei Kisten und forderte den Kunden auf, umgehend meinen Laden zu verlassen. Unterstellungen
 und Beschimpfungen dieser Art, lasse ich mir nämlich auf keinen Fall gefallen.
"Ach, nun auch noch frech werden! Wollen Sie nun sagen, dass ich
 den ganzen Weg zu ihnen umsonst gekommen bin?", schimpfte er. "Ja, das ist korrekt! Wenn Sie mit einem Ankaufspreis nicht einverstanden sind,
 brauchen Sie noch lange nicht beleidigend werden!", gab ich von mir. Er beruhigte sich dann merkwürdigerweise etwas, bat um einen Zettel und
 einen Kugelschreiber. Auf den Zettel schrieb er dann die Zahl 180 auf und dahinter vier Buchstaben: E U R O. "So...und nun lesen Ihren Kumpel
 mal diesen Zettel vor!", bat er mich erfrischend freundlich...jedenfalls für seine Verhältnisse! Ich nahm als meinen kabellosen, aber aber stets
 treuen Telefonhörer, wieder an mich und ebenso wieder die von mir ebenfalls zur Seite gelegte Gesprächsbereitschaft mit meinem Kumpel.
 "Also, er würde gerne 180 Euro für alles von Dir haben wollen!", sagte ich.



 Ich mußte mich nun echt stark zusammenreisen, nicht laut loszulachen. Hundertachtzigeuro für zwei Kisten voller Müllspiele.... Selbst zwanzig
 Euro waren noch zuviel für alles! Teilweise fehlten auch die Verpackungen und Anleitungen. Mein Kumpel sagte dann, ich soll dem Typen
 ausrichten, dass er nicht ganz dicht sei. Er hatte ja auch den Kunden-Wutanfall gerade mitbekommen und war deswegen auch völlig geschockt.
 "Los sage es ihm, er soll sich aus Deinem Laden verpissen und sich sein Zeug sonst wohin schieben!", forderte mich mein Kumpel auf. Ich sagte
 dann: "Okay!" und zum Kunden:  "Tut mir leid, wir kommen so nichts ins Geschäft! Bitte versuchen Sie es woanders!"
Mein Kumpel nuschelte
 enttäuscht: "Feigling! Den hätte ich richtig zur Sau gemacht!" Ja, es gibt manchmal schon Kunden, die benehmen sich sehr seltsam und werden
 auch unverschämt!  In der Regel lasse ich mir das auch nicht gefallen, aber deswegen kann ich ja nicht  selbst auch noch in Wortgefechte dieser
 Art einsteigen und ebenfalls beleidigend werden. Da muß man mich schon wesentlich mehr reizen! "Gut, wenn Sie meine Spiele nicht haben wollen,
 bekommen sie auch den Inhalt der anderen Kiste nicht!" schimpfte er. Er meinte die, mit dem Handtuch drüber. Als er diese Kiste vom
 Verkaufstresen nahm, rutschte das Handtuch deutlich zur Seite...und was mußten Mattis eigene Augen da sichtlich erregt erkennen? Nun...die
 ganze Kiste war voller legaler Sexfilme. Frauen auf den Verpackungen in allen möglichen Posen und handwerklichen Tätigkeiten. Als mein Gehirn
 diese Botschaft an meine inneren Organe funkte, gab es fast einen revolutionären Organaufstand! Ich spürte schon den innerlichen Druck, die
 meine Kameraden durch kräftiges gegendrücken gegen meine Haut verursachten. Alle wollten mich scheinbar schnell verlassen und mal einen Blick
 in die Kiste werfen!? Nur meine Leber blieb wo sie ist...es soll ja auch Leberorgane geben, die Schwul sind...böha, war der schlecht!;)
 Nun, wie auch immer, er packte seine ganzen Kisten wieder in seinen Lieferwagen und betrat dann doch noch mal meinen Laden.




 "Sie können sich darauf verlassen, dass ich dafür sorge, dass Sie innerhalb von ein paar Wochen keine Kundschaft mehr haben! Ihren Kumpel am
 Telefon können Sie ausrichten, dass er auch ein Abzocker ist...wenn Sie da überhaupt mit jemanden telefonieren!" Dann war er endlich weg.
 Mein Kumpel am Telefon sprach mir sein Beileid aus und war einfach nur froh, dass er bei der Post arbeitet und "nur" Briefe sortieren muß.
 Also ganz ehrlich, so einen Kunden hatte ich eigentlich noch nie ertragen müssen. Eigentlich macht es ja Spass, Spiele & Geräte anzukaufen, aber
 wären alle Kunden(innen) so, würde ich doch lieber das Stricken erlernen und für die gesamte Bundeswehr Unterhosen stricken! Aber gut für die
 Soldaten und gut für Euch, dass 90% meiner Kunden(innen) sich beim Verkaufen ihrer Ware bei mir im Laden, friedlich und völlig "Normal"
 benehmen! Hm, STRICKEN...hat man da nicht zwei Nadeln in den Händen, die etwa so gross und breit wie zwei Abflussrohre sind? Ne, dass
 wäre ohnehin nichts für mich! Dann schon lieber häkeln mit den eigenen Füssen lernen!

 






 

Ende von Vol. 19



Autor (Text, Idee & Gestaltung) der CometMatti Tagebücher: Matthias Herrendorf! YouTube & Facebook Künstlername: CometMatti!








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